Dienstag, 16. August 2016

Schwere Lasten an wärmegedämmten Fassaden befestigen

Ich hatte das Problem eine Klimaanlage an die Wand zu montieren. Das wäre im Normalfall auch kein Problem, wenn nicht 16cm Styropor darauf kleben würden, und die Ausseneinheit des Split-Gerätes knapp 30kg hat. Mein Schwager hat mir diesbezüglich den richtigen Tipp gegeben.

Bevor eine Befestigungsart gewählt werden kann, sollte man natürlich über die Beschaffenheit der Wand bescheid wissen. In meinem Fall sind das 45cm Hohlkammerziegel, 2cm Putz und 16cm EPS-F Dämmung (von Innen nach Außen).
Da Dämmungen nicht mit diesen Lasten belastbar sind, müssen die Ziegel das Klimagerät tragen. Allerdings liegen da noch die 2cm Putz und 16cm Styropor dazwischen, die überbrückt werden müssen.
Auf normale Spreizdübel kann getrost verzichtet werden, da diesen bei den Hochlochziegel Probleme haben. Normale Schrauben für derartige Dübel haben ebenfalls den Nachteil, dass sie Außen keine zusätzliche Befestigungsmöglichkeiten bieten.
Bleiben noch Gewindestangen, die bei entsprechender Verankerung auf Zug oder Druck zum Mauerwerk beansprucht werden können und zusätzliche Montagemöglichkeiten bieten. Allerdings kann sich die Gewindestange noch im Bereich der Dämmung durchbiegen. Diese Biegung lässt sich jedoch relativ leicht unterbinden, und zwar so:
Die Gewindestange wird mittels Injetionsmörtel oder entsprechendem Kleber ins Mauerwerk geklebt. Bei Hohllochziegel sollte zusätzlich eine Ankerhülse eingesetzt werden. Diese löchrige Hülse sorgt dafür, dass sich der Kleber beim Einschieben der Gewindestange sich gleichmäßig an der Klebestelle verteilt. und somit die Gewindestange an einer größeren Fläche mit dem Ziegel verklebt. Die mit der Mutter und Beilagscheibe verschraubten Distanzhülse sorgt dafür, dass die Gewindestange auf Zug beansprucht wird, sich am Putz/Ziegel abstützt und sich daher nicht so leicht durchbiegen kann.

Nun aber von der Theorie zur Praxis

Zu Beginn muss natürlich gebohrt werden. Das geschieht mit entsprechend langem Bohrer  um die Dämmung überbrücken zu können und ein ausreichend tiefes Loch in die Fassade zu bohren. Da ich eine M16 Gewindestange verwenden möchte habe ich mit 22mm gebohrt, und rauf geachtet, dass das gebohrte Loch 25cm in den Ziegel ragt. Mit Druckluft sollte anschließend das Bohrloch gesäubert werden, damit der Kleber anständig hält.

Zuschneiden

Die Distanzhülsen (= 3/4" verzinktes Wasserleitungsrohr), Gewindestangen und Ankerhülsen müssen auf entsprechende Länge zugeschnitten werden. In meinem Fall waren das 50cm für die Gewindestangen, 17cm für die Distanzhülsen und etwa 25cm für die Ankerhülsen.


















Bei den beidseitig offenen Ankerhülsen würde der Kleber am hinteren Ende einfach raus gedrückt werden.  Da das nicht geschehen soll, muss ein Ende zusammen gebogen werden.
In dieser Reihenfolge wird alles später in die Wand gesteckt:

Ankerhülse einstzen

Die Ankerhülse wird mit einen Stock (zB. mit der Gewindestange) in das Bohrloch geschoben, bis diese am ende des Bohrloches ansteht.



Kleben

Meist werden Kleber bzw. Injetionsmörtel in Kartusche verkauft, die zwei Komponenten beinhalten, welche erst im Mischröhrchen beim Verarbeiten zusammengemischt werden und dadurch aushärtet.
Je nach Temperatur und Mörtel ergeben sich dadurch unterschiedliche Zeiten, in der Regel jedoch im Minutenbereich.

TIPP: Bei hohen Umgebungstemperaturen ist es Ratsam den Injetionsmörtel im Kühlschrank zu lagern, da dieser sonst zu schnell aushärtet.

Des weiteren ist bei gedämmten Wänden meist auch das Mischrohr zu kurz und sollte verlängert werden. Ich hatte noch einige Meter Elektroleitungen rum liegen und verwendete die Isolierung als Verlängerungsschlauch.


So kann der Kleber in die Ankerhülse gespritzt werden. Aus Zeitgründen gibts davon keine Fotos....
Ich hatte vier Löcher und verbrauchte eine ganze Kartusche.

Montieren

Ist der Kleber um Bohrloch, kann die Gewindestange bis zum Anschlag eingeschoben werden. Ebenfalls kann auch gleich die Distanzhülse ein/aufgeschoben werden.














Ist der Injetionsmörtel ausgehärtet, kann eine Beilagscheibe samt Mutter auf die Gewindestange geschraubt und angezogen werden. Versinkt die Distanzhülse zu weit im Bohrloch, da zB. der darunter liegende Putz lose ist, können weiter Beilagscheiben eingelegt werden. Die Mutter sollte ebenfalls mit Gefühl aber  dennoch fest angezogen werden, nicht dass der Kleber wieder aufreißt. Die Kräfte die mit einem langen Schraubenschlüsseln (i.d.R. SW24 bei M16 Mutter) sind nicht zu unterschätzen! Die Gewindestange sollte sich nur noch minimalst durchbiegen.

Auf das herausstehende Stück der Gewindestange kann nun die schwere last befestigt werden.








Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen sehr praktikablen Tipp, der uns bei unserem aktuellen Heimwerker-Projekt enorm weitergeholfen hat!

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  2. Für so eine Anwendung gibt es das System http://www.fischer.de/de-DE/Produkte/Schwerlast-Befestigungen-Chemie/Abstandsmontagesystem-Thermax-12-16 mit dem Zusstznutzen "wärmebrückenfrei".

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    1. Ich weiß. 4Stk dieser Thermax-Dübel kosten über 80€. Meine Befestigung hat unter 30€ gekostet.
      Das mit der "Wärmebrücke" habe ich mal nachgerechnet: Für alle vier Verschraubungen benötige ich bei -15°C Aussentemperatur etwa 1W Heizleistung. Die Heizkosten für diese Gewindestangen betragen daher weniger als 10Cent pro Jahr. Die Amortisation tritt somit erst nach 500 Jahren ein und auch nur dann wenn der von dir genante Dübel keine Verluste produziert. Viel besser wird der aber auch nicht sein...

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    2. Gute und kostengünstige Lösung und natürlich auch sauber ausgeführt

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    3. Viele dieser Wärmebrücken Regelungen sind meines Erachtens auch total Übertrieben! Ich hätte es auch nicht anders gemacht.
      Tolle Anleitung, vor allem die vielen Bilder dazu finde ich gut.

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  3. Tolle Anleitung! Vielen Dank dafür. Ein Freund baut zurzeit, dem hilft die Anleitung sicher.
    Merci
    CJ

    http://holz-uhren.net/

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  4. Wir haben so bei uns auf der Terasse die Verankerungen für das zukünftige Dach (über die Terasse) befestigt (mit Fischer Spezialkleber)...
    Nur das wir die Anker unter der Dämmung dreimal eingeklebt haben und das Styropor dann drüber kam.. Kleine Wärmebrücke aber dafür muss ich mir ums Dach keine Sorgen machen ;-)
    lg Christof

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  5. Ein sehr interessanter Tipp!
    Ich hatte ein ähnliches Problem, habe mich aber dazu entschieden die Wände in Ruhe zu lassen und habe stattdessen so ein Palettenregal (http://www.palettenregal-shop.de/Palettenregal) umgebaut. War für mich die kostengünstigst Lösung. Leider weiß ich nicht, wie ich ein Foto davon hier posten kann...

    LG Chris

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  6. ähnlich habe ich so was bei meiner Terrasse angebracht. Bisher hält alles :P

    lg Peer

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