Sonntag, 19. Februar 2017

Learning tower aus Massivholz

Wenige, so wie vor einigen Monaten ich auch, werden mit dem Begriff "Learning Tower" wenig an zu fangen wissen. Wahrscheinlich ein Turm zum Lernen... Es ist eher eine kleinkindgerechte Leiter mit Plateau, auf der das Kind den Eltern beim Kochen zusehen bzw. am Waschbecken sich selbst die Hände waschen kann. Letzteres kommt wohl eher selten vor...

Die einfachste und schnellste Lösung ist, zum Ikea zu fahren und sich dort 1x den Tritthocker Bekväm und 1x den Hocker Oddvar zu holen. Zusätzlich benötigt man noch 4 Schrauben und man hat um nicht mal 20€ und innerhalb von 30min einen Learning Tower zusammen gebaut.

Wie das geht kann man hier nachlesen:
Glücksflügel (etwas aufwendiger)

Meine Frau wollte ja, dass ich auch so einen Tower baue, aber als selbst ernannter Heimwerker fällt es mir natürlich schwer derart simple Möbelstücke zu kaufen. Immerhin habe ich ja einen Ruf zu verlieren, auch wenn's kein Guter ist. Ruf ist Ruf! 

Also selber bauen, und zwar aus Eiche, genauer gesagt: Spannberger Eiche (Spannberg = mein Geburtsort). Nicht zu verwechseln mit der steirischen Eiche - das ist Arnold Schwarzenegger.

Der Rahmen 

Zu Beginn muss die Eichenbohle auf Länge gebracht und besäumt werden. Das geschieht am besten mit einer Handkreissäge samt Führungsschiene wenn man nicht gerade eine Formatkreissäge zu Hause stehen hat. So ein Teil hätte ich natürlich gerne, sollten sich potentielle Sponsoren dies durchlesen.


Die zweite Kante wurde mit der Tischkreissäge geschnitten, damit diese exakt parallel zur ersten ist.

Danach wird die besäumte Bohle gehobelt. Um nicht in den Hobelspänen zu ersticken habe ich mich dazu entschlossen eher resourcenschonend mit dem Material um zu gehen. Das bedeutet, dass ich nur das nötigste abgehobelt habe, und dann den Rahmen des Towers in entsprechender Stärke gebaut habe.
Nach dem Abrichten und Dickenhobeln wird das Brett in Streifen geschnitten, welche anschließend auf der Kappsäge auf benötigte Länge abgelängt werden. 

 Die entstandenen Hölzer bilden den Rahmen. Die Abmessungen sind in folgender Zeichnung ersichtlich.
Auf meinem Holzbearbeitungstisch habe ich dann Rahmen aufgelegt und die Länge der Querstreben bestimmt. Den kompletten Turm mit 90° Winkel auf zu bauen wäre natürlich wesentlich einfacher gewesen, allerdings wollte ich mal ein Möbelstück außerhalb der 90° bauen, um Erfahrung zu gewinnen, da ich bis dato immer das eine oder andere Problem damit hatte. Man muss sehr genau arbeiten, dann funktioniert es ohne Probleme. Der Winkel sollte eine Neigung von genau 10° haben.













Die Einzelteile sollen schlussendlich mit Runddübel (8mm) verbunden werden. Dazu müssen alle Dübellöcher entsprechend angezeichnet und gebohrt werden.


Um den richtigen Winkel bei den Schrägen zu bohren, hilft es sich neben der Bohrmaschine ein Holzstück im gleichen Winkel an zu legen.

Mit Leim und Runddübel kann anschließend alles zusammengebaut werden. Es hat mir sehr dabei geholfen die Löcher für die 8mm Dübel mit den 8,5mm Bohrer zu bohren. Somit lässt sich beim Verleimen der Rahmen noch etwas justieren.  Ich habe auch beide Hälften übereinander verleimt, damit diese dann exakt gleich sind.


Vor dem Verleimen sollten aber noch die Kanten abgerundet werden (mit einem 3mm Fräser) und die Einzelteile grob geschliffen werden.



Trittfläche und Plateau

Natürlich wollte ich auch bei den Brettern materialschonend arbeiten. Darum habe ich mir aus der 5cm dicken Bohle nach dem Hobeln (ca. 4,3cm) etwa 2 cm dicke Latten geschnitten.
Die einzelnen Latten werden nun zu Brettern in entsprechender Größe zusammengeleimt. Wie das genau geschieht kann man sich hier ansehen. Auf die Flachdübel habe ich aber verzichtet.










Die Breite des resultierenden Brettes sollte dabei nicht die Breite der Hobelmaschine überragen. Falls das aber doch nötig ist, sollte das Brett in mehreren Etappen gefertigt werden.
Die Standfläche habe ich somit auf zwei Einzelteile aufgeteilt:
Wenn der Leim trocken ist, können die Einzelteile gehobelt werden. Zuerst über den Abrichthobel und danach mit der gleichen Einstellung die Einzelteile durch den Dickenhobel. Danach sind die beiden Hälften genau gleich dick.

Damit die zwei Hälften auch wirklich genau zu einander passen, werden beide Teile bündig an deren Leimkante mit Zwingen zusammen gespannt. Gemeinsam geht es dann über den Abrichthobel. Was bringt das? Sollten beide Teile nicht exakt 90° haben würde ein Spalt im resultierenden Brett entstehen. Hobelt man allerdings beide gleichzeitig, passen sie danach genau zueinander. Selbst wenn eine Kante 89° hat, hat die zweite 91° und in Summe sind's wieder 180°. Funktioniert wirklich!














Wenn alles verleimt ist, können die Bretter auf die benötigte Größe zugeschnitten werden.










Die Ausschnitte für den Rahmen habe ich mit der Stichsäge erledigt.














Um Trittfläche und Plateau am Rahmen montieren zu können habe ich diese mit 2x2cm Leisten versehen und verschraubt.














Montage

Bevor alles verleimt wird sollten die Einzelteile ohne Leim zusammen gesteckt werden und ev. nachgearbeitet werden.
Passt alles geht's ans verleimen.









Um die Werkstatt auch noch mit Feinstaub zu belasten wird vor dem Streichen der Tower geschliffen werden. Ich habe das mit den Körnungen 120-180-240 erledigt.
Damit der Learning Tower resistent gegen Wasser, Speichel und andere Nahrungsmittel wird, sollte die Oberfläche mit dem Topoil von Osmo behandelt werden.

Im Einsatz:

























Ob Ikea noch jemals mit seinen Hockern ein Geschäft machen wird, wenn ich in Serie mit den Learning Tower gehe? 😊

1 Kommentar:

  1. Ich habe vorher noch nie von dem Learning Tower gehört, aber da hast du wirklich ein sehr schönes Stück gebaut. Ich sage dir, Ikea wird keinen einzigen verkaufen, sobald deine Serienproduktion startet ;)
    Sehr gut finde ich auch, dass dein Learning Tower oben geschlossen ist, sodass das Kind nicht runterpurzeln kann!

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